Tracht

Trachtenpaar Haubenschachtel

Die Lauterbacher Trachtengilde trägt bei ihren Auftritten „Sonntagstracht“. Diese wurde um ca. 1800 bis 1820 im Riedesel’schen Herrschaftsgebiet in und um Lauterbach als Standestracht von einem gehobenen Bauernstand, den sogenannten Ackerbürgern, getragen.

Bei Gründung des Vereins, der im Juli 1974 aus der damaligen Landjugendgruppe Lauterbach hervorging, recherchierte im Vorfeld der damalige Tanzleiter der Landjugend, Hans Deibel aus Schlitz, in deren Auftrag nach Trachten in Lauterbach und im Umland.

Er fand im Lauterbacher Hohhaus-Museum Bilder, die eine Vorstellung von einer in und um Lauterbach üblichen Tracht vermittelten. Es handelte sich um eine Ansicht von Lauterbach und zwei Gemälden von Lauterbacher Bürgersfrauen aus dem späten 18. Jahrhundert, die darauf mit der Radhaube abgebildet sind.
Außerdem entdeckte man auf dem Sippenfriedhof in Meiches einen Grabstein mit einem Relief, der in diesen historischen Kontext passte.
Anlässlich des 1983 in Lauterbach stattgefundenen Hessentages kam die damalige Leiterin des Vogelsberger Heimatmuseum Schotten auf die Trachtengilde zu und präsentierte eine in ihrem Fundus „schlummernde“ Radhaube.

Frauentracht

Die Frauen tragen über einem knielangen Leinenhemd einen plissierten Rock mit einem angesetzten weißen Leibchen. Ein zweiter plissierter und an der Vorderseite geschnürter Rock, aus acht Meter langer Tuchbahn geschnitten, legt sich darüber. Die Farbe der Röcke richtet sich nach dem Alter der Trägerin. Hier gilt wie überall bei den Frauentrachten in Hessen: je älter die Trägerin, desto dunkler die verwendeten Farben.

Eine weiße oder naturfarbene, mit reichlich Applikationen versehene Schürze gehört ebenso dazu wie ein aus schwarzem Samt gefertigtes Mieder, das mit kleinen Röschen bestickt ist.

Passend zur jeweiligen Rockfarbe legt die Trägerin ein viereckiges Schultertuch um, das aus feinem Wollmusseline gewebt ist. An allen vier Seiten mit geknüpften Fransen versehen, mit Rosenmuster und Blättern in leuchtenden Farben bedruckt, wird es auf der Brust von einer Brosche zusammengehalten. Bei schlechtem Wetter oder im Winter zieht jede Trachtenträgerin noch eine taillierte Tuchjacke mit angeschnittenem Schößchen darüber.

Die naturfarbenen selbstgestrickten Strümpfe werden durch auf Stramin gestickte Strumpfbänder gehalten. Rosen und Lebensbaum sind hier die vorherrschenden Motive. Am Ende des Bandes hat die Trägerin ihre Initialen eingestickt. Schwarze Schnallenschuhe vervollkommnen das Bild.

Die Zierde der Frauentracht ist die charakteristische Radhaube mit dem Sonnenplissee. Diese wird in einer eigens dafür angefertigten Spanschachtel, die von der Trägerin mit Sinnsprüchen und Ornamenten individuell selbst bemalt wurde, aufbewahrt und transportiert.

Männertracht

Über einem untaillierten weißen Leinenhemd und einer schwarzen Halsbinde trägt der Mann eine bis zum Kragenansatz reichende, vorne geknöpfte rote Weste.

Die mit hohem Latz gearbeitete blaue Tuchhose wird durch in Handarbeit auf Stramin gestickte Hosenträger gehalten. Als Motive verwendet man die Rose und den Lebensbaum. Am Anfang der Hosenträger stickt man die Initialen des Trägers und am Ende die Jahreszahl des Vereinseintrittes ein. Eine Jacke aus dem gleichen Tuch wie die Hose, reichlich mit silbernen Knöpfen besetzt und im Rückenteil zweifach geschlitzt, wird bei schlechtem Wetter zusätzlich getragen.

Gestrickte, naturfarbene Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe sowie eine mit Otter- oder Biberfell besetzte Mütze runden die Männertracht ab.