Vereinsgeschichte

Ihre Ursprünge hat die Lauterbacher Trachtengilde e. V.  (LTG) in der Kreisgruppe der Landjugend Frischborn-Lauterbach. Auf der Gründungsversammlung am 24. Juli 1974 im Dorfgemeinschaftshaus Allmenrod hoben 30 Mitglieder den Verein aus der Taufe und wählten Manfred Tamm (1. Vorsitzender), Gisela Wiegel (2. Vorsitzende) und Paul Poeplau (Geschäftsführer) zum ersten Vorstand. Für die musikalische und tänzerische Leitung zeichnete Hans Deibel verantwortlich.

Die Distelfinken, die Tanzgruppe der Landjugend, trug bei ihren Auftritten steirische Dirndl ohne Bezug zu Lauterbach. So begann man damit, anhand alter Bilder und vorhandener Trachtenteile, die Lauterbacher Sonntagstracht aus dem angehenden 19. Jahrhundert zu restaurieren. Treibende Kraft war hierbei ebenfalls Hans Deibel. Am 21. September 1974 wurde die neue alte Tracht erstmals präsentiert, allerdings zunächst ohne die markante Radhaube der Frauen, die erst ab dem darauf folgenden Jahr Bestandteil der Tracht wurde.

Bereits zu Beginn des Vereins wurden die Tänzer von einen oder mehreren eigenen Musikern begleitet. Daran hat sich bis zum heutigen Tage erfreulicherweise nichts geändert, auch wenn sich die Besetzung im Laufe der Jahre mehrfach änderte.

Im Jahr 1976 erschien erstmals die Vereinszeitschrift Gildeschelle, ebenfalls eine Tradition, die bis zum aktuellen Zeitpunkt beibehalten wurde.

Eine Kinder-und Jugendvolkstanzgruppe wurde 1977 gegründet. Auch die Kindergruppe besteht bis zum heutigen Tage und nimmt aktiv am Vereinsgeschehen teil, sowohl bei gemeinsamen als auch bei eigenen Auftritten und Aktivitäten.

Nach einem Besuch des Schäferlaufs in Urach (Schwäbische Alb) wurde das Konzept eines Gildefests entwickelt, bei dem jeweils ein Handwerk im Mittelpunkt stehen und unter Einbeziehung der gesamten Stadt ein mehrtägiges internationales Trachtenfestival gefeiert werden sollte. Die Besonderheit war anfangs ein stehender Festzug. Von 1978 an waren bis zum Jahr 1994 insgesamt 9 Gildefeste feste Bestandteile des Vereinslebens, und es entwickeln sich zahlreiche Kontakte zu nationalen und internationalen Gruppen, die größtenteils bis heute noch bestehen.

Beim Hessentag 1983 in Lauterbach bildeten Marion Wiegand und Udo Lünzer das Hessentagspaar. Beide waren aktive Tänzer der LTG.

Seit 1990 kommen die drei benachbarten Volkstanzgruppen aus Angersbach, Schlitz und Lauterbach jährlich zu einem Dreiertreffen zusammen.

Im Jahr 1992 konnte die LTG durch einen Glücksfall die ehemalige Bahnhofgaststätte inkl. Nebenräumen im Lauterbacher Nordbahnhof anmieten. Die Renovierung erfolgte komplett in Eigenarbeit, und die gemütliche Gildestube war bis Ende September 2016 das Domizil des Vereins.

Nachlassende Besucherzahlen, schlechtes Wetter, Unmut der Bevölkerung bezüglich des Eintrittsgeldes, auf das beim Stadtfest aufgrund des preisgünstigen Programmes verzichtet werden konnte, nachlassendes Engagement innerhalb der Vereine, sowie angekündigte Sparmaßnahmen bei der Stadt, zwangen die Trachtengilde, zunächst eine größere Pause in der Abfolge der Gildefeste einzulegen. In dieser Zeit wollte der Verein über neue Wege nachdenken, zumal auch die Bereitschaft der Handwerkszünfte nachließ, sich im Rahmen des Festes darzustellen. Eine Neuauflage wurde im Rahmen des 25jährigen Jubiläums 1999 versucht. Diese konnte aber leider nicht an die früheren Erfolge anknüpfen.

Dennoch werden auch nach dem Ende der Gildefest-Ära weiterhin nationale und internationale Kontakte gepflegt und ausgebaut, z. B. indem man zum alljährlichen Lauterbacher Prämienmarkt eine befreundete Gruppe einlädt und selbst zahlreiche Besuche bei befreundeten Vereinen im In- und Ausland durchführt.

Seit 2007 ist die Trachtengilde Mitausrichter des Kunsthandwerker- und Brauchtumsmarkts, der am 1. Wochenende im November im Rahmen des Herbstmarkt zahlreiche Aussteller und Besucher in die Adolf-Spieß-Halle lockt. Aufgrund der Renovierung der Halle ist die Vogelsbergschule Lauterbach ab dem Jahr 2016 der Veranstaltungsort des Markts.

Das 40-jährige Vereinsjubiläum wurde im Jahr 2014 mit einem zweitägigen Trachtenfest mit Gästen aus dem In- und Ausland gefeiert.

Im Frühjahr 2016 wurde das Mietverhältnis zwischen den neuen Besitzern des Lauterbacher Nordbahnhofs, der einige Jahre zuvor von der Deutschen Bahn an zwei private Investoren veräußert worden war, und der Lauterbacher Trachtengilde leider zum 30. September 2016 aufgelöst, so dass die liebgewonnenen Räumlichkeiten nach 24 Jahren verlassen werden mussten. Glücklicherweise konnte als Ersatz ein komplettes Stockwerk der ehemaligen Reinickendorfschule (Am Eichberg 5) übernommen werden. Die dortigen Räumlichkeiten werden zurzeit (Stand Oktober 2016) an die Anforderungen des Vereins angepasst, um eine optimale Nutzung als Übungsraum, Begegnungsstätte und Lager zu gewährleisten.

Das Vereinsleben wird neben den wöchentlichen Übungsstunden und gemeinsamen Feiern und Aktionen, z. B. dem gemeinsamen Kochen traditioneller Rezepte in der Gildestube, geprägt von ca. 40 Auftritten pro Jahr. Feste Termine sind die mehrmals im Jahr stattfindenden Heimatabende in Bad Salzschlirf und Herbstein mit Tanz, Gesang, Musik, Sketchen und Mundart. Eine enge Verbindung besteht zur Stadt Lauterbach und deren Verkehrsverein, so dass die LTG oft offizielle Termine und Feste, z. B. den alljährlichen Prämienmarkt, umrahmt. Regionale, nationale und internationale Kontakte werden durch Besuche befreundeter Vereine, z. B. bei Festen und Jubiläen gepflegt. Die LTG nimmt regelmäßig an Hessentagen teil, und die Kindergruppe fährt gerne und oft zu den Hessentagen der kleinen Leute, den LandesKinderTrachtenTreffen.